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Digitale Medien in der Tagesbetreuung (SEB)

Empfehlung der Fachgruppe OSKIN: eine fachliche Einschätzung, keine offizielle Stellungnahme oder Weisung des Kantons Zug.

übergreifend24. Mai 2026Fachgruppe OSKIN

Kurzfassung

Ausgangslage

Die allgegenwärtige Präsenz digitaler Medien im Alltag von Kindern und Jugendlichen erfordert eine kritische Auseinandersetzung und eine klare Positionierung der Schulergänzenden Betreuung (SEB). Die Notwendigkeit ergibt sich aus der Aufsichts- und Sorgfaltspflicht der SEB-Mitarbeitenden während der Freizeitgestaltung.

Die MEKiSmini-Studie zeigt eine verbreitete Skepsis gegenüber Bildschirmmedien, eine Fokussierung auf Risikoschutz und das Vorhandensein von Kompetenz- sowie Ressourcenlücken bei Fachpersonen und Erziehungsberechtigten.³

Zielsetzung

Dieses Dokument zielt darauf ab, Orientierung für die Etablierung einer zeitgemässen und lebensweltorientierten Medienpädagogik in der SEB zu bieten. Es schafft eine Grundlage für Entscheidungen, die über den reinen Risikoschutz hinausgeht und die aktive Kompetenzförderung sowie die Begleitung der Kinder und Jugendlichen in ihrem Medienumgang in den Fokus stellt.³

Kernaussage

Wirksame Medienpädagogik in der SEB setzt eine geklärte Haltung sowie Grundkompetenzen der Fachpersonen voraus. Sie greift die mediale Lebenswelt der Kinder und Jugendlichen auf und fördert aktiv deren digitale Kompetenzen, anstatt den Schwerpunkt auf reine Risikoprävention zu legen.

Empfehlungen

  • Studien zeigen: Fachpersonen mit einer offenen und reflektierten Haltung setzten digitale Medien häufiger in pädagogischen Aktivitäten ein.² Fachkräfte, die eine Weiterbildung zum Thema besucht haben, stehen Bildschirmmedien weniger ablehnend gegenüber.

  • Konzept und Weiterbildung: Jede SEB-Einrichtung muss ein verbindliches, medienpädagogisches Konzept in Anlehnung an das ICT- und Medienkonzept der gemeindlichen Schule sowie eine Wissensbasis schaffen, indem Mitarbeitende gezielt weitergebildet werden, um Unsicherheiten abzubauen.³

  • Aktive, kreative Nutzung begleiten: Die pädagogische Arbeit muss den Fokus vom passiven Konsum auf die aktive, kreative und lernorientierte Nutzung von Medien (z.B. Gestaltung von Videoclips, Einsatz von Lernspielen) verlagern, um reflektiertes Lernen zu ermöglichen.³

SEB-Strategiebezug

Die Notwendigkeit einer medienpädagogischen Verankerung in der SEB steht im direkten Zusammenhang mit der gesamtgesellschaftlichen Forderung nach umfassender Medienkompetenzförderung. Sie knüpft an die Erkenntnisse der MEKiSmini-Studie an, welche die Entwicklungsbarriere im Bereich der Medienerziehung in der frühen Kindheit und Betreuung aufzeigt. Da digitale Medien einen Teil der Lebenswelt einnehmen, muss die SEB als Teil der Bildungsinstitution diese Realität aufgreifen, um ihren gesetzlichen Auftrag der Aufsichts- und Sorgfaltspflicht adäquat erfüllen zu können und die Kinder und Jugendlichen auf die Anforderungen einer digitalisierten Welt vorzubereiten.

Empfehlungen

Grundsätze und Leitprinzipien

Die medienpädagogische Arbeit in der SEB basiert auf folgenden Leitprinzipien, die als Kompass für alle Massnahmen dienen:

  • Gemeinsames Konzept und Transparenz: Schule und SEB stimmen Haltung, Regeln und Abläufe aufeinander ab. Alle Rahmenbedingungen werden gegenüber den Kindern, Jugendlichen und Erziehungsberechtigten offen kommuniziert, um ein konsistentes Handeln sicherzustellen.

  • Kompetenzförderung in der Lebenswelt: Digitale Medien werden als festen Bestandteil im Alltag der Kinder und Jugendlichen akzeptiert. Statt reinem Risikoschutz steht die Förderung von Eigenverantwortung, kritischem Denken und einem reflektierten Nutzungsverhalten im Zentrum.

  • Aktive Begleitung und Reflexion: Während der Medienzeiten werden die Kinder und Jugendlichen durch Betreuungspersonen begleitet. Durch den Austausch über Bildschirmaktivitäten werden Lernprozesse angestossen und digitale Erlebnisse greifbar gemacht.

  • Struktur und klare Regeln: Definierte Bildschirmzeiten und Vorgaben zur Nutzung von Privatgeräten fördern die Selbstregulation und gewährleisten die Aufsichtspflicht. Regelverstösse werden in Kooperation mit der Schule altersgemäss geahndet.

Konkrete Anwendungsfelder

Die pädagogischen Aktivitäten sollen den Fokus auf die aktive und kreative Nutzung digitaler Medien legen, um einen messbaren Mehrwert für den Lernprozess von Kindern und Jugendlichen zu generieren.

  • Gemeinsames Spielen als Lernfeld: Kooperatives, altersgerechtes Spielen wird gezielt begleitet, um Miteinander, Fairness und Selbstregulation zu stärken. Im Fokus stehen gemeinsames Erleben, kurze angeleitete Reflexion über Strategien und Gefühle sowie der Transfer in den Betreuungsalltag mit klaren, einfachen Rahmenbedingungen.

  • Kreativität und Kollaboration fördern: Gezieltes, gemeinsames Ausprobieren und Gestalten steht im Vordergrund. Beispielsweise können kurze Videoclips von Ausflügen oder Fotocollagen erstellt werden, was die Reflexion des Erlebten und die Kollaboration im Team fördert.

  • Kritisches Denken durch Thematisierung: Die von Kindern und Jugendlichen eingebrachten Medieninhalte (Spiele, Serien) sind als direkter Anknüpfungspunkt zu nutzen. Gespräche über Nutzungsdauer, Altersfreigaben (PEGI, FSK) sowie die Unterscheidung von Fiktion und Realität fördern das kritische Denken und die Medienkompetenz.

  • Digitale Werkzeuge für Projekte: Der Einsatz von Lernspielen oder Robotern im Rahmen von Projekten demonstriert den sinnvollen Gebrauch von Technologie anstelle des blossen Konsums.

Hardware

Pro Standort wird empfohlen mindestens 1-2 gemeinsam nutzbare Tablets mit Schutzhüllen und Ladegerät und einige Kopfhörer zur Verfügung zu stellen. So kann Medienerziehung stattfinden, die Chancengerechtigkeit wird gefördert und eine gezielte und sichere App-Auswahl ermöglicht. Diese Ausstattung ergänzt das Schulkonzept und unterläuft es nicht.

Umgang mit spezifischen Herausforderungen

Die zentralen Herausforderungen betreffen personelle und konzeptionelle Verankerung sowie Kompetenzdefizite.

  • Überwindung der Wissensbarriere durch Weiterbildung: Mitarbeitende müssen Zugang zu Weiterbildungsangeboten erhalten und diese nutzen. Schwerpunkte müssen auf Grundlagenwissen zu digitalen Medien im Kindesalter, rechtlichen Aspekten und Risikoprävention liegen, um Unsicherheiten abzubauen.

  • Entwicklung einer geteilten Haltung: Regelmässiger und strukturierter Austausch in den Teams über fachliche Fragen ist zwingend, um eine gemeinsame pädagogische Haltung zu entwickeln und Meinungsverschiedenheiten zu klären. Dies reduziert die Fokussierung auf die Einzelverantwortung.

  • Rollenmodell der Fachpersonen: Die SEB-Mitarbeitenden müssen eine aktive Vorbildfunktion einnehmen, indem sie den sinnvollen Umgang mit digitalen Medien vorleben und den unreflektierten privaten Gebrauch eigener Geräte im Beisein von Kindern und Jugendlichen unterlassen.

  • IT-Koordination: Eine definierte Person im Team sollte die Funktion der IT-Ansprechperson übernehmen, um Anliegen und Fragen zu bündeln und die fachliche Steuerung sicherzustellen.¹

Umsetzung als Entwicklungsprozess

Die Etablierung der Medienpädagogik soll als verbindlicher Schulentwicklungsprozess unter Einbezug aller relevanten Stakeholder erfolgen.

  • Konzeptphase: Die gemeindliche SEB soll in einem internen Prozess ein verbindliches, medienpädagogisches Konzept erarbeiten.¹ Dieses definiert altersgerechte Regeln, Zuständigkeiten, Inhalte und die institutionelle Haltung.

  • Beteiligungsphase: Die Konkretisierung des Konzepts muss unter Einbezug der SEB-Leitung, Gesamtschulleitung und pädagogische ICT-Leitung erfolgen.

  • Hardware-Beschaffung und Infrastruktur-Anpassung: Eine minimale Grundausstattung ist sicherzustellen. Dazu gehört die Beschaffung von mindestens ein bis zwei gemeinsam nutzbaren Tablets pro Standort. Diese Geräte müssen in die institutionelle Infrastruktur integriert und entsprechend gesichert werden, um den pädagogischen Einsatz zu gewährleisten.

  • Implementierungsphase: Schulung der Mitarbeitenden und proaktive Kommunikation der neuen Haltung und Regeln gegenüber den Erziehungsberechtigten.

  • Evaluations- und Reflexionsphase: Regelmässige Überprüfung des Konzepts im Team und Anpassung an sich ändernde mediale Realitäten und Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen.

Weiterführende Informationen zu «Digitale Medien in der Kinderbetreuung»: Digitale Medien in der Kinderbetreuung: Jugend und Medien

Literaturverzeichnis

¹Friedli, Katrin/Isabelle Hirsbrunner: Digitale Medien in der Tagesbetreuung. Leitfaden zur Nutzung digitaler Medien in der Tagesbetreuung der Stadt Bern, Bern: Schulamt Stadt Bern, 2024.

²Heeg, Rahel/Friederike Kaiser/Olivier Steiner/Manuel Schmid: (K)ein Thema in Kindertagesstätten der Schweiz. Erkenntnisse einer empirischen Studie, in: merz | Medien + Erziehung, 25 (1), München: kopaed, 2025, S. 72–79.

³Steiner, Olivier/Magdalene Schmid/Corinne Reber/Fabienne Kaiser/Arna Villiger/Liridona Kamberi/Rahel Heeg/Monika Luginbühl/Annika Butters/Fabio Sticca: MEKiSmini – Digitale Medien in Kindertagesstätten der Schweiz. Eine Studie zum Einsatz digitaler Medien in Kindertagesstätten der Schweiz und zu den Sichtweisen von Fachpersonen und Erziehungsberechtigten, Basel: Fachhochschule Nordwestschweiz, Hochschule für Soziale Arbeit, 2023.